Wir brauchen keine IT-Strategie - wir sind agil

Die Wechselwirkung von Agilität und IT-Strategie

Von Christoph Hecker

Die Digitalisierung gibt einen neuen Takt vor. Sehr viel wird schneller: Prozesse werden beschleunigt, wir arbeiten in Sprints, Methoden und das eingehergehende Mindset werden eingeführt, go2market geht über MVPs und alles ist agil. Und Strategie? Brauchen wir sie noch im Kontext der Agilität? Ist es noch opportun eine generelle Orientierung und einen Handlungsrahmen zu entwickeln? Benötigen wir eine  Positionierung für Produkte, Services und dafür notwendige Technologie?

Aus der Softwareentwicklung kommend, unterstützen die agilen Prinzipien insbesondere die Arbeit mit "einem" Kunden (Partner im Prozess) in "einem" Softwareentwicklungsvorhaben. Der Produkt Owner gestaltet das Vorhaben und setzt mit den agilen Methoden auf die Selbstorganisation der Teams. Im Projekt werden Lösungen iterativ und dem "Moving Target" folgend entwickelt, Teams organisieren sich selbst, was wichtig ist, wird angegangen und Transparenz sowie Interaktion sind dabei hoch. Der Alltag klappt!

Aber wo bleibt die IT-Strategie?

Die IT-Strategie gibt die Richtung und Eingliederung von Initiativen und Vorhaben in den Gesamtfokus der Unternehmensziele. Das gilt auch in der agilen Welt - vielleicht sogar noch stärker als bisher. 

Was leistet eine IT-Strategie im Kontext von agilen Initiativen und Vorhab

  • sie stellt über den Bezug zu den Unternehmenszielen die Verbindung zwischen den heute verstärkt agil erstellten Elementen der IT und den Anforderungen der Fachbereiche her, 
  • sie steuert den Kundenfokus - sowohl intern (Ausrichtung auf die Fachbereiche) als auch extern, 
  • sie macht die Ziele des Technologieeinsatzes transparent und zeigt Abhängigkeiten auf,
  • sie liefert ein Zielbild der IT im Unternehmen und zeigt den Weg dahin auf, der (immer häufiger) auch über agile Initiativen und Vorhaben führt

Die IT-Strategie sorgt für den Fokus in agil arbeitenden Welten. Sie verbindet Prozesse, Skills, und Technologien unter Berücksichtigung des kulturellen Rahmens in einem Unternehmen. Die IT-Strategie führt damit viele wichtige Aspekte in einem Unternehmen zusammen. 

Agilität ist notwendig - die IT-Strategie erhält die Balance

Agilität ersetzt nicht die klassischen Disziplinen Planung, Management, Steuerung oder Finanzen.

Im Unternehmensalltag dient Agilität dazu, den oft hohen Abstraktionsgrad bei der Beschreibung von Lösungen in der Produktentwicklung oder in der Digitalisierung von Prozessen zu reduzieren. Die Kunden der IT können oft nicht präzise sagen, was sie genau benötigen oder wie etwas realisiert werden soll. Die Digitalisierung entwickelt sich zu schnell und viele Technologien und Methoden sind noch neu. Dann arbeitet man agil, um sich anzunähern, das Ziel der Produktentwicklung nicht aus dem Auge zu verlieren und um insgesamt ein erfolgreiches Ergebnis zu erzielen. Dabei hilft die IT-Strategie, Produktideen oder technologische Veränderungen entlang der abgestimmten Rahmenbedingungen und Erfolgskriterien auszurichten. 

Menschen begeistern sich für ihre Ideen, identifizieren sich damit und sind motiviert, sie mit hohem Energieeinsatz möglichst schnell umzusetzen. Das ist eine der Grundlage für erfolgreiches, agiles Arbeiten. Für die IT ist das nichts Unbekanntes: Immer wieder gilt es methodisch und technologisch Neues zu erlernen und in die Umsetzung von Anforderungen zu integrieren. Dabei die Balance zwischen Innovationen, der Durchgängigkeit und Stabilität von Lösungen sowie dem Einhalten der Rahmenbedingungen zu behalten, ist eine weitere Leistung der IT-Strategie - im Sinne von "Richtung schlägt Geschwindigkeit". 

Agil ist eine Herangehensweise und ein Spirit. Der aktuelle Trend ist: Hauptsache agil, selbstorganisiert bis autonom, schnelllebig, speed speed speed, nur der Agilist und Evangelist hat das "richtige" Methodenwissen. Für viele Herausforderungen und Initiativen ist Agilität zum Erfolgsgarant geworden. Die IT hat gelernt, agile Elemente und Methoden konsequent für immer neue Bereiche zu adaptieren. Und trotzdem macht es absolut Sinn, bei bestimmten Projekten die Phasen zu definieren sowie Kapazitäten und Abhängigkeiten zu managen. Die IT-Strategie sollte den Leitfaden liefern, wie Agilität und klassische Managementmethoden jeweils zum Einsatz kommen. Beide Richtungen haben ihre Berechtigung, denn auch die Klassiker - egal ob Demming-Kreis oder Portfoliomanagement - bleiben unverzichtbar.

Eine gute IT-Strategie nutzt Agilität für das Unternehmen mit Augenmaß und schafft die Integration der Welten - klassische bzw. agile Methoden - unter strategischen Gesichtspunkten. 

Autor

Christoph Hecker
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