Ohne IT-Strategie keine agile IT-Organisation?

Von Teresa Schiemenz

Nahezu zwei Drittel der IT-Organisationen haben Handlungsbedarf, sich für die aktive Gestaltung der digitalen Transformation aufzustellen. Einige der wichtigsten Herausforderungen dabei sind, agil zu arbeiten, den Kulturwandel sowie die Skills und Kompetenzen der Mitarbeiter professionell zu managen und Organisationsstrukturen flexibel zu gestalten. Die Studie macht außerdem deutlich, dass bis 2020 schätzungsweise 40% der IT-Mitarbeiter agil arbeiten werden. Die Einführung agiler Methoden als zentrales Handlungsfeld ist daher branchenübergreifend ein Grund für umfassende Transformationen klassischer IT-Organisationen. (kobaltblau Studie "IT-Organisation 2020: Digitale Transformation! Das IT-Organisationsmodell für die digitale Zukunft")

Damit IT-Organisationen den wachsenden Anforderungen nach Agilität und Flexibilität begegnen können, wurden in der Vergangenheit zahlreiche Modelle zur Struktur von IT-Organisationen diskutiert: von der bimodalen über die multimodale IT bis hin zur Arbeit in Squads folgt die Diskussion häufig dem Gedanken der optimalen Struktur. Im Ergebnis konnte sich aber kein Modell vollständig durchsetzen, da die Struktur spezifisch auf die jeweilige IT zugeschnitten sein muss und sich außerdem IT-Organisationen zunehmend so strukturieren, dass sie in der Lage sind, alle ihre Projekte agil durchzuführen. 

IT-Strategie als roter Faden, der eine IT-Organisation durchzieht

Während der Diskussion über die optimale Struktur von IT-Organisationen sind zunehmend die nicht strukturellen Elemente aus dem Fokus geraten: Dass eine IT-Organisation in erster Linie aus Mitarbeitern, deren Skills und Kultur besteht.

Bei Veränderungen von IT-Organisationen kommt es vor, dass Ebenen einer IT unzureichend in einem ganzheitlichen Kontext betrachtet werden. Verändert man bspw. strukturelle Elemente in der Organisation, müssen unter anderem auch Prozesse, Skills und Tools verändert werden. Um die ganzheitliche Sicht der Veränderung herzustellen, ist ein Zielbild notwendig, das den Ausgangspunkt der IT-Strategie bildet.

Aufgrund der wechselseitigen Wirkung, erzeugen Veränderungen in IT-Organisationen Wechselwirkungen auf verschiedensten Ebenen, die nicht immer positiv und leicht steuerbar sind. So können bei einer Veränderung des IT-Systems (bspw. Einführung eines ERP-Systems) oder der Struktur bspw. die Mitarbeiter, deren Skills und Kultur negativ beeinflusst werden - insbesondere, wenn diese im Veränderungsprozess zu wenig Berücksichtigung finden. Die Veränderung von Mitarbeitern, Skills und Kultur als wesentliche Stellhebel für die Veränderung von Strukturen, Prozessen und Systemen erfordert deshalb ein ganzheitliches Zielbild, das eine Integration aller Elemente sicherstellt. Es vereint die verschiedenen Elemente und gibt im Veränderungsprozess Orientierung in Form von konkreten Leitlinien. Die IT-Strategie, der Weg zum Zielbild durch geeignete Maßnahmen, sorgt dann dafür, dass die gewünschten Veränderungen ganzheitlich umgesetzt und auch nicht strukturelle Elemente ausreichend berücksichtigt werden. 

Insbesondere bei der Veränderung hin zu einer agilen IT, integriert das Zielbild mitarbeiter- und kulturrelevante Aspekte: Bspw. denken Mitarbeiter häufig trotz Veränderungen in der Abteilungsstruktur nach wie vor in ihren "Bereichen", was für das Leben agiler Methoden hinderlich ist. Eine potenzielle Maßnahme zum Etablieren einer agilen Kultur, die sich aus einem Zielbild ergeben kann, wäre z.B. Einrichten einer fachbereichs- und IT übergreifenden Plattform, durch die Business und IT näher zusammenrücken und innovative Ideen ein Forum erhalten. 

Eine flexible IT-Strategie für eine agile IT-Organisation

Das Zielbild gibt Orientierung und sollte so flexibel wie nötig sein - das heißt, agile IT-Organisationen benötigen ein Zielbild, das in erster Linie umsetzbar ist, anpassungsfähig bleibt und wenig bürokratisch ist. Ein zu umfangreich und kompliziert formuliertes Zielbild würde dem Anspruch der Mitarbeiter nach schneller Orientierung nicht gerecht werden und die Flexibilität untergraben. Eine flexible IT-Strategie sollte beachten, dass Mitarbeiter, deren Interaktionen, funktionierende Leitbilder, die Zusammenarbeit mit dem Business und die flexible Anpassung auf Veränderungen Priorität haben vor starren Prozessen, umfassender Dokumentation und dem strikten Befolgen eines Plans. Für Unternehmen, die dem Druck der Digitalisierung stärker ausgesetzt sind, bedeutet das außerdem, häufiger in den Review-Prozess einzusteigen und relevante Strategieelemente i.S.v. Sprint konsequent weiterzuentwickeln. 

Ähnlich wie ein engmaschiges Netz umspannt das Zielbild als Basis der IT-Strategie alle wesentlichen Elemente einer IT-Organisation und stellt sicher, dass strukturelle und nicht strukturelle Elemente gleichermaßen im Veränderungsprozess hin zur agilen IT-Organisation Berücksichtigung finden. Aus diesem Grund kann eine Veränderung der klassischen in eine agile IT nur erfolgreich sein durch eine anpassungsfähige IT-Strategie und ein konkretes Zielbild, das alle Aspekte der IT-Organisation gleichermaßen integriert und verändert.

Autorin

Teresa Schiemenz
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