Die Cloud - Fluch oder Segen?

Eine belastbare Cloud-Strategie als Lebensversicherung für den CIO 

Von Hubertus von de Fenn

Samstagmittag bei einem turnusgemäßen Shoppingevent im Medienmarkt unseres Vertrauens: 

Als technik-affiner Mensch zieht es Sie irgendwann unweigerlich in die Abteilung Netzwerkzubehör.

Und da ist sie wieder: die Cloud. Diesmal in Form einer Personal Cloud der Marke XY, welche man früher einfach unter NAS Storage Box kannte. Genau, diese kleine Kiste für die private Datensicherung unter dem Schreibtisch.

Natürlich müssen Sie als verantwortlicher IT-Spezialist sofort an die berühmt-berüchtigte Schatten-IT unter den Schreibtischen denken. Aber das Problem mit der Cloud geht natürlich heutzutage weit darüber hinaus. Als einer DER Megatrends wird man an allen Fronten durch die Cloud in die Zange genommen: IaaS, PaaS, SaaS, private vs. hybrid Cloud stehen zur Diskussion; Ihr Security-Officer warnt vor Datenschutzproblemen, die Architekten finden das eigentlich nur sexy und wollen sofort einen ‚Cloud First!' Ansatz implementieren, der Fachbereich will auch schon längst und zerrt in Demand-Meetings an Ihnen herum.

Mal wieder wird Ihnen bewusst, dass Sie als CIO eigentlich noch gar keine umfassende Strategie haben, wie man das Thema Cloud sinnvoll in die IT-Landschaft integrieren soll, ohne sich am Ende an den diversen Fronten massive Probleme einzufangen. Also ein Fluch?

Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Falls ja: Sie sind nicht alleine!

Eine Cloud-Strategie muss her

In den Gesprächen mit unseren Kunden stellen wir immer wieder fest, dass eine belastbare Cloud-Strategie dringend notwendig ist. Denn nach der ersten Cloud-Welle, die primär auf die Auslagerung von Kapazitäten in die Cloud zielte (Infrastructure as a Service IaaS) und noch einigermaßen gut beherrschbar war, geht es heute vermehrt um die höherwertigen Schichten. Nämlich die Cloud als komplette Plattform (Platform as a Service PaaS) in der zweiten Welle, z. B. für Entwicklungsumgebungen zu nutzen. In der dritten Welle wird es dann erst richtig spannend; nämlich dann, wenn man komplette Services aus der Cloud bezieht (oder dorthin verlagert): Software as a Service (SaaS) ist hier das Buzzword. 

"Einfach alles rausgeben, bin ich dann doch los, Problem gelöst!" Also doch ein Segen?

Vielen Verantwortlichen ist hierbei gar nicht bewusst, dass sich mit dem Verlagern von immer höherwertigen Services in die Cloud mannigfaltige Einflüsse und Wechselwirkungen auf die verschiedenen Dimensionen einer IT-Organisation ergeben. Datenschutzthemen (private vs. public vs. hybrid Cloud) sind ebenso zu berücksichtigen wie der Einfluss auf das komplett daran hängende Betriebsmodell der IT (Target Operation Model 'TOM'). Insbesondere bei den Auswirkungen auf die notwendigen Skills in der IT-Organisation ergibt sich ein notwendiger Shift vom Betreiber eigener Infrastrukturen hin zu einer Lean IT, die sich zunehmend auf die Themen Providersteuerung und Multi-Sourcing fokussieren muss. Die dazu notwendige mentale Umstellung vom alten Betriebsmodell hin zu dem berühmt-berüchtigten new way of working & sourcing fällt insbesondere älteren Kollegen sichtbar schwer. Und auch die Personalabteilung ist mit althergebrachten Skill-Entwicklungsmethoden oft überfordert.

Zögerliche Umsetzungsmaßnahmen, die keiner klaren Strategie oder Zeitplanung folgen, können dann auch schnell zum Super-GAU führen: nämlich in Form von Cloud-basierten Business-Anwendungen, mal eben selber vom Fachbereich an der IT vorbei beim Provider bestellt und in Betrieb genommen. Spätestens dann, wenn die Fachbereiche nicht mehr länger auf die IT warten möchten, bzw. die alten Delivery-Zyklen von 2-3 Jahren nicht mehr aussitzen wollen oder können, der erste Datensatz mit Kundeninformationen oder sensiblen Buchungstransaktionen, der durch Umgehung des bestehenden Sicherheitskonzepts öffentlich im Internet landet, bedeutet dies dann oft auch gleichzeitig den prämortalen Exitus des CIOs.

Cloud-Readiness Assessment als Lebensversicherung und erster Schritt zur Cloud-Strategie

Was ist daher zu tun? Als sinnvoll hat es sich erwiesen, sich als CIO erst einmal einen Überblick zu verschaffen, welche Dimensionen der IT bei den denkbaren Implementierungsszenarien betroffen sind und welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, bevor man sich in das Abenteuer Cloud First stürzt.

Ein strukturiertes Assessment des derzeitigen und zukünftig notwendigen Reifegrades der IT - über alle relevanten Dimensionen hinweg - hat sich hier als probates Mittel im Markt bewährt. Aus den Ergebnissen eines solchen Cloud-Readiness Assessments lassen sich dann konkret die notwendigen Maßnahmen ableiten und in einen konsistenten Fahrplan im Sinne einer ganzheitlichen Cloud-Strategie überführen, der letztendlich auch zu einem Kernbestandteil der übergeordneten IT-Strategie werden muss.

Die Cloud als Chance nutzen

Die Cloud bietet mannigfaltige Chancen auf dem Weg der Digitalisierung, birgt aber auch erhebliche Risiken ohne eine belastbare Strategie.

Ob sie damit für Sie zum Fluch oder Segen wird, liegt daher auch in Ihrer Hand. 

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Hubertus von de Fenn
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